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Tschernobyl

Geschichte

Vor Vierzig Jahren, am 26. April 1986, ereignete sich im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl die schlimmste Nuklearkatastrophe der Geschichte. Eine riskante Reaktorkonstruktion, gravierende Bedienfehler und mangelndes Wissen des Personals führten zu einer Explosion, die weite Teile Europas radioaktiv verseuchte. Bis heute gilt der Unfall als Mahnmal für die Gefahren der Kernenergie und die Folgen menschlichen Versagens.

Vor vierzig Jahren, am 26. April 1986, geschah der bis heute größte Atomunfall der Geschichte in Tschernobyl. Doch wie konnte das passieren? Schauen wir uns einmal den Reaktor an. Bis dahin hatte die Anlage vier Reaktorblöcke des Typs RBMK-1000, eine selbstentwickelte sowjetische Bauart. Die Konstruktion dieser Reaktoren ist effektiv und einfach, in Notsituationen aber sehr gefährlich.

Der Reaktorblock einfach dargestellt.
Der Reaktorblock einfach dargestellt.

Der Kern besteht aus Hunderten von Druckröhren, die jeweils von einem Graphitmantel umhüllt sind. In die Druckröhren kommen Wasser und radioaktive Brennstäbe. Die Kernreaktion erhitzt das Wasser, und es entsteht Wasserdampf. Dieser treibt Turbinen an, die wiederum den Strom produzieren. Doch genau besondere Schutzbehälter wie in westlichen Kraftwerken fehlen, was sich als fataler Fehler herausstellte. Denn um Unfälle im Inneren zu vermeiden, waren spezielle Steuerstäbe/Kontrollstäbe installiert, die, je tiefer sie eingefahren wurden, desto stärker die Kernreaktion drosselten. Durch diese Technik kann der Reaktor sogar komplett abgeschaltet werden, zumindest theoretisch. Genau so eine ähnliche Übung stand am 25. April 1986 auf dem Plan. Doch das Personal, das den Reaktor steuern musste, hatte fast keine Ahnung von der Technik. Dies war der entscheidende Fehler, den die Betriebsleitung machte. Sie hatten von den Konstrukteuren einen sozusagen "nicht bremsbaren" Reaktorblock erhalten.

Die Explosion zerstörte das ganze Dach von Block 4.
Die Explosion zerstörte das ganze Dach von Block 4.

Kurz nach Mitternacht sank aus bis heute ungeklärten Gründen die Leistung des Reaktors ab. Die Techniker wollten die Leistung wieder erhöhen, weshalb sie die Steuerstäbe hochfuhren. Dies war ebenfalls ein sehr entscheidender Fehler. Um 01:23 morgens begann das Wasser zu kochen und fachte die Kettenreaktion wieder an. In wenigen Sekunden stieg die Energieleistung auf das Hundertfache ihrer Nennleistung! Als die Techniker dies bemerkten, drückte einer von ihnen den Not-Aus-Schalter. Die Steuerstäbe fuhren wieder in den Reaktor hinunter, um die Leistung zu drosseln. Doch dies geschah bereits zu spät, der Druck im Reaktor war viel zu stark. Er wird nicht gestoppt und explodiert. Zwei Techniker sterben aufgrund der Explosion. Das tonnenschwere Bleidach vom Block 4 wird weggesprengt. Riesige Wolken aus radioaktivem Schutt und Material schießen ungehindert aus dem Dach in die Umwelt. Die Wolken konnten sich auf der ganzen Nordhalbkugel ausbreiten. Wenige Kilometer entfernt schliefen die meisten der 50.000 Bewohner der Stadt Prypjat. Erst einen Tag später, am 27. April, wird die Stadt so schnell wie möglich evakuiert. Doch die Wahrheit verschweigt die Sowjetunion den Bürgern und der Welt. Auch alle umliegenden Dörfer werden geräumt, niemand darf in der 2.600 Quadratkilometer großen Sperrzone mehr leben. Das Militär schickte über 100.000 Soldaten, die "Liquidatoren" genannt wurden. Alle waren der Strahlung hilflos ausgesetzt. Sie war so groß, dass die meisten nur Sekunden arbeiten konnten. Die Stärke der Strahlenbelastung werden sie jedoch auch nie erfahren, da die Regierung so viel wie möglich verschweigt. Bis Oktober 1986 wurde eine Schutzhülle aus Stahlbeton errichtet, der sogenannte "Sarkophag". Bis heute ist das Gebiet nicht bewohnbar, 2019 wurde eine neue Schutzhülle über den Reaktor gebaut, die für etwa 100 Jahre halten soll.

Manuel
27. April 2026
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